Lispeln (Sigmatismus)

Lispeln (Sigmatismus) LogopädieIn diesem Artikel geht es um die Behandlung von Lispeln bei Kindern im Rahmen der Logopädie. Der korrekte Ausdruck für Lispeln ist Sigmatismus. Damit ist gemeint, dass S- und Z-Laute nicht richtig gebildet werden können.

Sigmatismus tritt häufig auch mit anderen fehl gebildeten Lauten auf. Häufig werden auch K, R, Ch und Sch nicht richtig ausgesprochen. Zusätzlich ist ein Näseln möglich. Logopäden unterscheiden mehrere Arten von Sigmatismus:

  • Zwischenzahnlispeln: Das S wird durch ein englisches Th ersetzt (Sigmatismus interdentalis)
  • Die Spitze der Zunge stößt immer gegen die Schneidezähne, wodurch es zu einer Zahnfehlstellung kommt (Sigmatismus addentalis)
  • Die Luft entweicht am Rand der Zunge (Sigmatismus lateralis)
  • Die Luft entweicht durch die Nase (Sigmatismus nasalis)
  • Der S-Laut wird durch ein Pfeifen ersetzt (Sigmatismus stridens)

Das Lispeln sollte frühzeitig behandelt werden, da sich diese Sprachstörung ansonsten festigt. Eine Sigmatismus-Therapie wird von manchen Experten nach dem Zahnwechsel mit etwa sieben Jahren empfohlen. Bis dahin kann sich das Lispeln noch von selbst legen. Es gibt aber auch Logopäden, die eine frühere Therapie anstreben, damit das Kind so früh wie möglich den richtigen Laut lernt und nicht länger als nötig dem Spott anderer Kinder ausgesetzt ist. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die Zunge nach dem Zahnwechsel gegen die Schneidezähne drückt, wodurch eine Zahnfehlstellung hervorgerufen wird. Eine Sigmatismus-Therapie kann auch während des Zahnwechsels bei fehlenden Zähnen erfolgen. Deshalb kann schon ab dem 5. Lebensjahr mit den entsprechenden Übungen begonnen werden. In diesem Alter sind die Kinder besonders motiviert. Diese Phase sollte für die Therapie genutzt werden.

Ursachen für Lispeln

S- und Zischlaute sind die schwierigsten Laute in der deutschen Sprache. Sie werden erst am Ende der Sprachentwicklung von Kindern richtig zu bilden gelernt. Bis zu einem Alter von fünf Jahren kann Lispeln also völlig normal sein. Man spricht dann noch von einer physiologischen Dyslalie. Hält das Lispeln länger als fünf Jahre an, so sollten mögliche Ursachen ausgeschlossen werden. Dazu zählen:

  • Zahnfehlstellungen: Offener Biss oder Zahnlücken können das Bilden von S-Lauten erschweren.
  • Hörstörungen: Auch vorübergehende Hörstörungen können das Kind so sehr beeinträchtigen, dass es beginnt, Laute falsch zu bilden. Das kann bereits durch eine Mittelohrentzündung geschehen. Die Kinder hören dadurch nicht mehr ausreichend klar. Auch zu laute Musik kann Hörstörungen bei Kindern herbeiführen.
  • Zungen- oder Gaumenveränderungen: Schäden oder Fehlbildungen an Zunge oder Gaumen können es unmöglich machen, den S-Laut korrekt auszusprechen.
  • Auditive Wahrnehmungsstörung: Das Kind kann wichtige von unwichtigen Geräuschen nicht unterscheiden, es kommt zu Problemen in der Differenzierung von Lauten. Das Gehör funktioniert einwandfrei.
  • Familiäre Häufung: Lispeln ist zwar nicht vererbbar, dennoch kommt es vor, dass diese Störung in einer Familie häufiger vorkommt. Andere Ursachen, die zu Sigmatismus führen, können aber erblich bedingt sein (Zahnfehlstellung, Schwerhörigkeit, usw.). Das kann aber auch an der Vorbildfunktion der Eltern oder älteren Geschwister liegen. Kinder lernen Sprache durch Nachahmen. Haben die Vorbilder einen Sprachfehler, so wird auch dieser nachgeahmt.
  • Motorik: Die Motorik von Mund und Körper können Einfluss auf die Sprachentwicklung nehmen. Eine gut ausgebildete Mundmuskulatur ist wichtig für das Bilden der verschiedenen Laute. Ist der Mund ständig offen und die Zunge liegt in Ruheposition schlaff im Mund, so sind das Anzeichen für eine schlechte Mundmotorik
  • Sonstige Ursachen für Lispeln: Manche Kinder lispeln, wenn sie übermüdet sind. Manchmal hat Lispeln aber auch einen psychischen Hintergrund, nämlich dann, wenn es eingesetzt wird, um den Beschützerinstinkt anderer Personen zu wecken.

Behandlung von Lispeln

Wenn Kinder lispeln, dann sollten Eltern einige Verhaltensregeln beachten. Es ist beispielsweise kontraproduktiv, wenn man über die Aussprache des Kindes lacht, es schimpft oder auffordert, richtig nachzusprechen. Stattdessen sollte man aber auf die eigene Aussprache achten und deutlich sprechen. Wenn man mit dem Kind spricht, ist außerdem auf Blickkontakt zu achten. Auf diese Weise sieht das Kind, wie der Laut gebildet wird. Bei Mittelohrentzündungen sollten Eltern schnell zu einem Arzt gehen, um Hörstörungen zu vermeiden. Wenn Kinder ständig durch den Mund atmen, sind gegebenenfalls die Polypen zu entfernen. Das Nuckeln an Daumen oder Schnuller sollte spätestens bis zum zweiten Lebensjahr abgewöhnt werden. Diese Angewohnheiten beeinflussen die Mundmotorik und können eine Zahnfehlstellung begünstigen. Sind logopädische Maßnahmen notwendig, so sollten die Eltern die entsprechenden Übungen auch zu Hause machen.

So hilft der Logopäde bei Sigmatismus

Je nach Art und Ursache für den Sigmatismus kommen unterschiedliche Therapieansätze in Frage. Es gibt Sprechübungen, bei denen der S-Laut völlig neu gelernt wird. Eine andere Möglichkeit ist die Ableitungsmethode. Dabei wird aus einem benachbarten Laut das S gebildet. Der Logopäde kann auch Übungen mit einem Spatel (Hilfestellung bei der richtigen Formung der Zunge) oder einer Pfeiffenstellung durchführen. Bei allen Übungen ist es wichtig, dass das Kind eine verbesserte Selbstwahrnehmung erhält. Ziel der Therapie ist es außerdem, die Mundmotorik, das Bewegungsempfinden, die Geschicklichkeit von Zunge und Mund, das Gehör und die auditive Wahrnehmung zu verbessern.

Wird die Zunge zu sehr gegen oder zwischen die Zähne gedrückt, wird die myofunktionelle Therapie angewandt. Dann muss die Zungenbeweglichkeit trainiert und das richtige Schlucken eingeübt werden.

Diese Übungen helfen gegen Lispeln

Eltern können kleine Übungen in den Alltag einbauen, die den Übungen beim Logopäden ähneln und den Kindern Spaß machen. Ziel dieser Übungen ist es, Mund- und Zungenmuskulatur zu stärken.

Um die Lippen zu trainieren ist es hilfreich, mit einem Strohhalm zu trinken. Nur bei der richtigen Spannung kommt das Kind an das Getränk. Pusten hat den gleichen Effekt. Um Kinder zum Pusten zu motivieren, eignen sich Pusteblumen und Seifenblasen sehr gut.

Gymnastik für den Mund: Luftküsschen geben, grinsen, lächeln, lachen oder die Zähne mit den Lippen verstecken und dann als „alter Opa“ sprechen macht den Kinder Spaß und trainiert die Lippen. Auch die Zunge soll trainiert werden. Das funktioniert beispielsweise mit Zungenschnalzen. Auch einen Lolli nur mit der Zungenspitze zu lutschen kann ein richtiger Kraftakt werden. Eine beliebte Übung ist es, Honig oder Marmelade von der Oberlippe zu naschen. Ein gutes Training für die Zunge ist es auch, mit geschlossenen Zähnen zu sprechen oder mit der Zunge den Mund zu erforschen: wie viele Zähne, wie lang ist die Zunge, wie fühlt sich der Gaumen an?

Zehn Minuten Übung am Tag sind vollkommen ausreichend. Man sollte es nicht übertreiben, weil die Kinder ansonsten die Lust verlieren oder der Mund sogar wund werden kann.

Autor
jan

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