Eine Dysarthrie liegt vor, wenn der Betroffene eine umfassende Störung aufweist, die fast alle Aspekte des Sprechens umfasst. Der Sprecher hat Mühe, sich zu äußern. Die Atmung ist während des Sprechens unregelmäßig und oft besteht eine deutliche Kurzatmigkeit. Das Ausgesprochene erscheint undeutlich, verwaschen und nicht gut zu verstehen. Aufgrund der Atemprobleme sind Klang, Tempo, Lautstärke und Rhythmus geschädigt. Die Stimme klingt auffällig kratzig, behaucht oder es wird nasaliert.

Atmung, Stimme und Sprechen sind erheblich beeinträchtigt, weil die Funktionen der Sprachmuskulatur nicht intakt sind. Das Störungsbild ist insgesamt so stark, dass sowohl bei der Diagnose als auch bei der Therapie Medizin und Logopädie zusammenwirken müssen, wenn passende Maßnahmen angewandt werden sollen. In vielen Fällen wird es auch unbedingt erforderlich sein, psychologische bzw. psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn die Störung führt häufig zu sozialen Problemen, so dass z.B. die Kommunikation und der Umgang mit dem bisherigen Kontaktumfeld reduziert wird, weil die Betroffenen sich für ihre Sprechstörung genieren. Sie schränken dann ihren Kommunikationsbereich stark ein oder isolieren sich völlig.

Ursachen

In vielen Fällen sind Gehirn und zentrales Nervensystem beschädigt. Ursächlich können einmalige Ereignisse wie Unfälle, Schlaganfälle, Hirnschädigungen in frühkindlicher Zeit und Schädelbrüche sein. Häufig resultieren Dysarthrien aus Krankheiten des Nervensystems wie Parkinson, Multipler Sklerose und anderen fortschreitenden neurologischen Krankheitsbildern. Eine entscheidende Ursache sind höchstwahrscheinlich die bei den genannten Ereignissen und Erkrankungen auftretenden Hirnblutungen und Durchblutungsstörungen. Auch  hoher Blutdruck und Gehirntumore werden vielfach als auslösende Faktoren genannt.

Logopädische Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten

Logpäden können diese Störung durch ihr gesamtes Spektrum an Übungen behandeln: Therapie für das Sprechen, die Atmung, die Stimme und die Artikulation.

Grundlegend für jede Therapie ist die individuelle Diagnose mit exakter Beschreibung und Erfassung der Störung beim einzelnen Patienten. Dabei können Ärzte und Logopäden gemeinsam eine Therapie entwickeln und abstimmen, wobei die logopädische Therapie besonders intensiv und zeitaufwändig ist. Sie besteht aus einer Vielzahl von Therapie- und Übungsstunden, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken und sehr viel Ausdauer bei Patient und Logopäde voraussetzen.

Ziele der Therapie

Bei der Therapie geht es vorwiegend darum, Verschlechterungen zu vermeiden. Eine völlige Heilung ist dagegen nur selten realistisch. Die einzelnen Symptome werden mit angemessenen Methoden und Hilfsmitteln bearbeitet, um dem Patienten zu helfen. Ob die folgenden Methoden beim jeweiligen Patienten Anfwendung finden, hängt vom individuellen Krankheitsbild ab. Welche speziellen Einschränkungen auftreten, kann variieren.

Da eine Schwäche der Muskulatur des gesamten Mundbereichs meist hauptsächlich für die Sprechschwierigkeiten verantwortlich ist, steht das Training dieser Muskelgruppen besonders im Vordergrund. Aktive Bewegungsübungen, Wahrnehmungstraining, Atem- und Lautstärkepraxis sind je nach Störungsbild weiterer Bestandteil der logopädischen Therapie.

Darüber hinaus kann die logopädische Therapie nicht nur mit der medizinischen Behandlung verknüpft und koordiniert werden, sondern auch mit dem Einsatz psychologischer Hilfen. In der logopädischen Praxis wird häufiger als beim Arzt die kommunikative, gesprächsbezogene Komponente der Behandlung eine wesentliche Funktion haben. Der Logopäde kann die Aktivitäten und Strategien des Psychologen nicht nur unterstützen und empfehlen, sondern auch direkt mit anwenden.

Therapiedauer

Die Therapie durch die Logopädie wird eher langfristig angelegt sein. Sie kann im Einzelfall, wenn das Störungsbild eng begrenzt ist und eine volle Heilung möglich erscheint, auch kürzer sein. Denkbar ist dies z.B. bei Dysarthrien als Folge von Unfällen oder überwindbaren gesundheitlichen Problemen. Überwiegend ist aber davon auszugehen, dass die Sprechstörung eine intensive Behandlung und viel Zeit erfordert, während der es auch schon als Erfolg gelten kann, wenn die Störungen nicht mehr oder nur langsam zunehmen.

Wichtig ist in solchen Fällen, alle Beteiligten darauf hinzuweisen, dass die Therapie äußerst notwendig ist, auch wenn sie die Störung nicht restlos überwinden kann. Denn ohne logopädische Behandlung ist der jeweilige Patient seiner Erkrankung und deren Fortschreiten ausgesetzt, so dass sich nicht nur die Sprechfähigkeit, sondern auch der Gesamtzustand schneller verschlechtern kann.