Schluckstörungen (Dysphagien) betreffen die Nahrungsaufnahme im Mund und die Nahrungsweiterleitung durch den Hals. An diesen Vorgängen sind bis zu 50 Schluckmuskeln beteiligt, die vom Gehirn in ihrer Funktionsweise und Koordination gesteuert werden.

Schluckstörungen treten besonders häufig auf, wenn neurologische Krankheiten bestehen. Sie müssen unbedingt therapiert werden, weil mit ihnen ein nicht ungefährliches Risiko verbunden ist: Gelangen Speisen oder Getränke in die Luftröhre kann es zu einer Lungenentzündung kommen.

Das Krankheitsbild umfasst verschiedene Störungen, zu denen u.a. Probleme bei der Bewegung der Zunge, der Muskeln im Kieferbereich und der zeitlich koordinierten Schluckbewegung gehören. Die Nahrungsaufnahme ist erheblich erschwert und muss in vielen Fällen auf künstliche Wege umgeleitet werden.

Ursachen von Schluckstörungen

Die häufigste Ursache einer Schluckstörung ist eine neurologische Krankheit bzw. eine Beeinträchtigung des Gehirns, die beispielsweise durch einen Unfall oder eine Sklerose bedingt sein kann. Krankheiten wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Myasthenie (krankhafte Muskelschwäche) führen regelmäßig zu starken Schluckbeschwerden, die dringend behandelt werden müssen. Oft sind Dysphagien auch Folge von Schlaganfällen, Unfällen mit Hirn-Schädel-Traumata und anderen Hirnschädigungen. Durch die Kernspintomografie ist es heute möglich, das betroffene Hirnzentrum zu lokalisieren und damit die Ursachenforschung wesentlich zu präzisieren.

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen der Logopädie

Vor der Behandlung einer Schluckstörung wird mit Hilfe zweier diagnostischer Methoden die konkrete Form der Dysphagie des Patienten festgestellt und beschrieben. Die endoskopische Untersuchung des Kehlkopfbereichs ist die häufigste Diagnosemethode und überprüft alle Strukturen und Abläufe des Schluckvorgangs. Daneben wird eine differenzierte Röntgenuntersuchung vorgenommen, die als Ergänzung der Endoskopie dient und in erster Linie den Verlauf der Schluckphasen dokumentieren soll.

Sobald das individuelle Krankheitsbild festgestellt ist, kann eine gezielte Behandlung durch den Logopäden beginnen. Die wichtigsten Ziele sind dabei unter anderem:

  • Verbesserung der Zungenbewegung
  • Verstärkung der sensorischen Fähigkeiten des Rachens
  • Übungen zur Geschmackswahrnehmung
  • Training der Schluckbewegung nach verschiedenen Konzepten, z.B. Mendelsohn-Manöver: Nach dem Schlucken wird der Zungenrücken anhaltend an den Gaumen gedrückt und damit die Stimmkontrolle verbessert
  • Prophylaxe-Übungen gegen das gefährliche Verschlucken von Speisen und Getränken.
Darüber hinaus sollte der behandelnde Logopäde die Nahrungsaufnahme des Patienten mitbestimmen und gezielte Hinweise dafür geben, in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Arzt. Die logopädische Behandlung muss in den gesamten medizinischen Therapieprozess eingebunden werden.

Ziele der Therapie/Behandlung von Schluckstörungen

Je nach Schweregrad müssen für jeden Patienten realistische Behandlungszielen und -schritte verfasst werden. Dies geschieht stets in Abstimmung mit den behandelnden Medizinern. Wenn Diagnose und Therapie korrekt erfolgen, kann in vielen Fällen eine normale Nahrungsaufnahme wiederhergestellt werden und die Schluckstörung vollständig überwunden werden.

Während der Therapie sind immer wieder neue Diagnosen notwendig, um die Maßnahmen je nach Veränderung anpassen zu können. Eine besondere Umstellung ist es zum Beispiel, wenn nach Phasen der künstlichen Ernährung wieder auf die normale Nahrungsaufnahme umgestellt werden kann.

Therapiedauer

Die Dauer der gezielten Therapie hängt vom Einzelfall ab. Sie kann, je nach Stärke und Verlauf der Störung, Wochen, Monate oder Jahre umfassen. In Fällen negativ fortschreitender Erkrankungen des zentralen Nervensystems können die Beschwerden jedoch nur gelindert werden. Hier wird die Therapie praktisch unbefristet erfolgen müssen mit dem Ziel, eine künstliche Ernährung möglichst lange hinauszuzögern, um die Lebensqualität weitestgehend zu erhalten.

Weitere Aspekte

Bei Schluckstörungen ist wie in kaum einem anderen Bereich der Logopädie die intensive Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Arzt unbedingt erforderlich. Das gilt für den gesamten Zeitraum der Diagnostik und Therapie sowie für die folgende Vor- bzw. Nachsorge. Die Erfolgsaussichten einer Wiederherstellung des vollen Schluckvermögens sind heute deshalb so groß, weil die logopädischen Methoden vielfältiger und wissenschaftlich besser fundiert sind als noch vor etwa zehn Jahren.

Weiterhin hat die Hirnforschung festgestellt, dass sich bei neurologischen Erkrankungen und Schädigungen im Gehirn selbst Wiederherstellungsprozesse abspielen, bei denen die Aufgaben eines Leistungszentrums durch andere Teile des Hirns übernommen werden können. Diese Erkenntnis dient natürlich auch als Grundlage dafür, den aktuellen Status einer neurologisch bedingten Störung wie der Dysphagie niemals als endgültig anzuerkennen, sondern auch in aussichtslos scheinenden Fällen logopädische Therapien aufzunehmen.