Multiple Sklerose oder Encephalomyelitis disseminata ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, also des Gehirns und des Rückenmarks. Phasenweise schreitet sie mal langsamer mal schneller fort, verschlimmert sich aber mit der Zeit.

Die Nervenfasern, die im Gehirn und im Rückenmark die Reize übertragen, sind außen durch die sogenannte Markscheide isoliert. Hauptsächlich besteht diese aus dem Stoff Myelin. Das Immunsystem von Menschen, die an Multipler Sklerose (kurz MS) erkrankt sind, zeigt eine Abwehrreaktion, die dazu führt, dass die Markscheide beschädigt wird und verschwindet (Demyelinisation).

Die Weiterleitung von Reizen im zentralen Nervensystem wird somit verlangsamt und schließlich verhindert. Befehle an den Körper können nicht richtig oder gar nicht gesendet werden; verschiedene Funktionen des Körpers, wie z.B. das Sehen, Laufen, Sprechen, können nur fehlerhaft oder gar nicht ausgeführt werden. Auch die geistige Leistungsfähigkeit kann durch eingeschränkte Merkfähigkeit oder Konzentration beeinträchtigt werden. Patienten können aber trotzdem ein hohes Alter erreichen.

Die genauen Symptome sind aber bei den Patienten sehr verschieden. Meist leiden sie aber an Störungen der Blasenfunktion und Lähmungen und werden schnell müde.

Sprachliche Symptome der Multiplen Sklerose

Muskellähmungen bei Multipler Sklerose können auch die Gesichtsmuskulatur betreffen. Dies führt dann dann zu Problemen beim Sprechen und Schlucken und mit der Stimme. Da die Abbauprozesse im Gehirn auch die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen, kommt es außerdem zu Störungen der Sprache.
  • Sprechstörungen: Dysarthrie
  • Schluckstörungen aufgrund von Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen des Gesichts und des Mundes, ungünstiger Körperhaltung und/oder gestörter Kehlkopfbewegung
  • Stimmstörungen: monotone, schwache, heisere oder raue Stimme, Tremor oder sogar Lähmung der Stimmlippen
  • Sprachstörungen: Wortfindungsstörungen

Die Behandlung der multiplen Sklerose und ihrer sprachlichen Symptome

Da Multiple Sklerose nicht heilbar ist, hat eine Behandlung zum Ziel, dass Patienten so selbstständig wie möglich ihren Alltag bewältigen können und dass ihre Lebensqualität bestmöglich aufrechterhalten wird. Generell werden dabei Maßnahmen zur Langzeittherapie (z.B. Immunsuppression, Physiotherapie) und zur Behandlung von akuten Beschwerden kombiniert und individuell an die Patienten angepasst.

Die Sprachtherapie durch Logopäden bei Multipler Sklerose umfasst:

  • Das Schlucken (z.B. Massagen, Eisbehandlung, Haltungsänderung)
  • Die Mundmotorik
  • Sprechtraining (betrifft das Atmen, die Artikulation, das Sprechtempo, die Sprechlautstärke und Prosodie)
  • Wortfindungsübungen und unterstützend dazu Übungen zur allgemeinen geistigen Leistungsfähigkeit
  • Gesichtsmassagen (bei Lähmungen)

Ursachen von Multipler Sklerose

Hervorgerufen wird Multiple Sklerose durch eine Autoimmunerkrankung, d.h. dass das Immunsystem des Körpers sich gegen dessen eigene Zellen richtet, weil es diese fälschlicherweise als Fremdkörper identifiziert.

Die Ursachen für eine Autoimmunerkrankung sind generell jedoch nicht so leicht zu benennen und für die Multiple Sklerose ist die eigentliche Ursache nicht bekannt. Verschiedene Theorien gibt es aber dafür, wie die Krankheit entstehen kann oder wodurch das Erkrankungsrisiko erhöht werden könnte:

  • genetische Veranlagung (jedoch keine Vererbung)
  • Umwelteinflüsse und Lebensweise: Immunsystem eines Kindes, das wenigen/keinen Infektionskrankheiten ausgesetzt war; niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut /zu wenig Sonneneinstrahlung als Kind; Rauchen; Übergewicht (v.a. im Kindesalter)
  • Übertragung durch Viren oder bakterielle Erreger (Infektionshypothese)

Kann man Multiple Sklerose rechtzeitig erkennen?

Erste Symptome treten meistens in einem Alter von 15 bis 40 Jahren auf. Jedoch kann kein Symptom für sich alleine stehend auf Multiple Sklerose hinweisen. Vielmehr macht das Auftreten mehrerer Symptome die Krankheit aus.

Erste Anzeichen können Störungen von Empfindungen des Körpers sein wie Kribbeln in Gliedmaßen oder Taubheitsgefühle. Vorerst verschwinden sie jedoch noch von selbst.

Weil diese Missempfindungen nicht unbedingt auf Multiple Sklerose hindeuten müssen, sondern auch andere Erkrankungen einleiten können, ist eine Früherkennung von MS recht schwer. Rechtzeitig mit solchen Symptomen zum Arzt zu gehen ist dennoch sehr wichtig, um zu versuchen, jegliche Erkrankung rechtzeitig zu diagnostizieren.