Längst ist bekannt, dass in Krankenhäusern eine hohe Ansteckungsgefahr herrscht, doch auch in den kleinen Praxen von Logopäden können sich Patienten schnell anstecken. Schlimm wird das, wenn es sich hierbei um Kinder handelt, deren Immunsystem noch nicht so gestärkt ist wie das der Erwachsenen.

Ansteckungsgefahr in der Logopädie

Ansteckungsgefahr in der Logopädie © panthermedia.net / Dmitriy Shironosov


Säugling erkrankt wegen Arzt an Masern

Im Juni 2013 kam es zu einer tragischen Begebenheit im Berliner Charité des Virchow-Klinikums. Ein Ehepaar brachte ihren zehn Monate alten Säugling zur Erste-Hilfe-Station und wurde von einem Arzt behandelt, der nach Aussagen der Eltern erkältet aussah. Zwei Wochen später erkrankte das Mädchen an Masern.

Nur zufällig erfuhren die Eltern, dass der Arzt, der ihr Kind behandelt hatte, ebenfalls Masern hatte und es zu dem Zeitpunkt nicht wusste. Das hätte böse enden können: Der Säugling war erst kurz vorher am Herzen operiert worden und daher noch sehr schwach. Mittlerweile hat das Kind die Infektion überstanden..

Kinder sind besonders gefährdet

Dieser Umstand zeigt deutlich, welche Verantwortung Ärzte tragen und wie wichtig ein ausreichender Impfschutz ist. Denken sollte man hierbei aber nicht nur an Allgemeinmediziner, auch Fachärzte wie Logopäden sind betroffen. Und nicht nur die eigene Gesundheit steht auf dem Spiel, sondern die vieler kleiner Patienten.

Logopäden sollten besonders aufpassen, denn im Gegensatz zu den allgemeinen Kinderärzten ist hier das Wartezimmer nicht unbedingt gefüllt mit hustenden und schniefenden Kindern. Die Wahrnehmung beruht nicht auf dem „kranken“ Kind an sich. Gerade wenn der Verlauf einer Krankheit nicht typisch oder allzu stark ist, kann eine Ansteckung schnell passieren. Ist der Logopäde nicht geimpft, kann er die Krankheit so unbewusst an viele Kinder übertragen.

Gefährdet sind Ärzte und Patienten dann, wenn es sich dabei um Krankheiten handelt, gegen die man dank Schutzimpfung einige Jahre immun ist, die Imfungen aber nicht mit einer erneuten Immunisierung aufgefrischt wurden. Kinderkrankheiten wie Keuchhusten oder Lungenentzündung äußern sich bei Erwachsenen anders als bei Kindern, sind aber ebenso ansteckend.

Private Ärzte haben ein doppeltes Risiko

Logopäden, die eine private Praxis betreiben, sind häufig auch finanziell stark belastet. Um weiterhin Geld zu verdienen, nehmen einige trotz Erkrankung weiter ihren Beruf wahr, da sie sich nicht sehr „krank fühlen“. Dass dies ein Trugschluss sein kann, sieht man ebenfalls an der Erkrankung Keuchhusten. Anfallartiger Husten bleibt aus oder der Hustenreiz verteilt sich über einen längeren Zeitraum. Bleibt der Keuchhusten unentdeckt, besteht sechs Wochen lang Ansteckungsgefahr. Ein langer Zeitraum, in dem viele Kinder die Praxis des Arztes besuchen können, die nicht geimpft sind und sich anstecken könnten.

Impflicht für Ärzte und Logopäden?

Eine Impfpflicht für Ärzte gibt es jedoch nicht. Weder im Krankenhaus noch in den privaten Praxen. Es ist ein heikles Thema, denn die Arbeitnehmerrechte schützen den Arzt. Dessen Gesundheitszustand geht den Patienten, Angehörigen und den Arbeitgeber zunächst nichts an. Dennoch: Die Ansteckungsraten in der DDR, wo Impfungen für Ärzte aller Art Pflicht waren, sind wesentlich besser gewesen als in Westdeutschland. Die Diskussion, ob Ärzte eine Impfpflicht auferlegt bekommen sollten, ist somit nicht unklug. Als privater Logopäde fahren Sie mit der Vorbeugung sowieso besser.