Die Kasseler Stottertherapie arbeitet nach dem Konzept des ‘Fluency Shapings’, also der Entwicklung einer flüssigen Sprechweise. Dafür wird das Sprechverhalten stotternder Patienten zuerst stark verändert und dann nach und nach an den Klang einer normalen Sprechweise angepasst. Die Therapie wird bei Kindern ab sechs Jahren angewandt und eignet sich auch gut für Erwachsene. Hier erfahren Sie alles über die Kasseler Stottertherapie.

Die Kasseler Stottertherapie schafft neue Sprechmuster für Betroffene

Bei der Kasseler Stottertherapie werden neue Sprechmuster entwickelt, die hernach in das tägliche Leben der Patienten übertragen werden müssen. © Christin Hume on Unsplash

Die 1. Phase der Kasseler Stottertherapie: Das Intensivtraining

Die Kasseler Stottertherapie besteht aus zwei Phasen. Am Anfang steht das 14-tägige Intensivtraining, das an einem der sechs Standorte in ganz Deutschland stattfindet. In einer kleinen Gruppe mit zwei bis drei Therapeuten wird zwei Wochen lang mit Hilfe verschiedener Übungen trainiert. Bei Kindern werden hier auch die Eltern miteinbezogen.
  • Sprechübungen bereiten auf Alltagssituationen vor und umfassen zum Beispiel Rollenspiele
  • Ton- und Videoaufnahmen werden in der Gruppe besprochen und helfen, das eigene Sprechverhalten besser zu verstehen und zu beurteilen. Die Gruppendiskussion stärkt zudem die Kommunikation.
  • Alltagsübungen finden außerhalb der klassischen Therapiesituation statt und umfassen zum Beispiel Vorträge, Telefonate oder Interviews mit Passanten
  • Körperwahrnehmungs- und Entspannungsübungen helfen dabei, die Techniken leichter umzusetzen

Die 2. Phase der Kasseler Stottertherapie: Die Nachsorgephase

Die neuen Sprechmuster sollen auch in das tägliche Leben übertragen werden. Die Nachsorgephase dauert etwa ein Jahr und festigt das Sprechverhalten. Dafür erhalten die Teilnehmer eine Übungssoftware für zu Hause und nehmen an Auffrischungskursen teil. Daneben gibt es Videokonferenzen im Internet (‘Teletherapie’), um den Kontakt mit den Therapeuten zu gewährleisten.

Die Kasseler Stottertherapie online

Seit 2014 gibt es ein Angebot, mit dem die gesamte Therapie online durchgeführt werden kann. Damit gibt es auch für Betroffene, die nur eingeschränkt mobil sind oder sehr weit vom Therapieort entfernt wohnen, die Möglichkeit, am Intensivtraining teilzunehmen.

In virtuellen Therapieräumen treffen hier Patienten und Therapeuten zum regelmäßigen Austausch aufeinander. Der Aufbau der Onlinetherapie folgt dabei dem bereits dargestellten und etablierten Zwei-Phasen-Konzept, nur eben via Internet.

Inzwischen ist man theoretisch sogar so weit, dass die Therapeuten auf der Anbieterseite vollständig durch Programme ersetzt werden könnten. Wodurch das ganze Verfahren auch zeitlich flexibel werden würde. Zudem könnte dies eine Einstiegshürde für all jene nehmen, die sich für ihr Stottern so sehr schämen, dass sie vielleicht nie eine Therapie beginnen würden.

Aktuell trifft man aber beim Online-Ansatz der von Dr. Alexander Wolff von Gudenberg etablierten Kasseler Stottertherapie nach wie vor auf Therapeuten aus Fleisch und Blut. Nur für Übungen zu Hause kommt eine Software zum Einsatz, um regelmäßige Übungen zu ermöglichen und die neu erworbenen sprechmotorischen Fähigkeiten aufrechtzuerhalten.

Die gute Nachricht: Inzwischen wird die Onlinetherapie von den Kassen bezahlt, da sich gezeigt hat, dass die Onlinetherapie die Symptome des Stotterns genauso signifikant reduziert wie eine vergleichbare Präsenztherapie.

Erfahrungsbericht: Vom Stotternden zum Sprachjongleur dank Kasseler Stottertherapie

Bei Kai Bosch wurde im Kindesalter Stottern festgestellt. Davon ließ er sich allerdings nie aufhalten und machte den Umgang mit der Sprache zu seinem Hobby: Der Zwanzigjährige steht heute als Poetry-Slammer auf der Bühne!

„Mein wichtigster Tipp: Bleibt dran und lasst Euch nicht von Eurem Ziel abbringen“, verrät Kai Bosch. Und er weiß, wovon er spricht, denn als Kind hatte er große Probleme beim Sprechen, bekam kaum einen Satz problemlos über seine Lippen.

Buchcover Tagträumer von Kai Bosch

Kai Boschs zweiter Roman „Tagträumer“ mit ihm als Coverstar. © Lektora-Verlag

Die Diagnose eines Arztes, der chronisches Stottern feststellte, schreckte Kai nicht ab. Ganz im Gegenteil: Anstatt sich zurückzuziehen, um möglichst wenig sprechen zu müssen, fing er an, sich vermehrt mit Sprache zu beschäftigen. Erste Gedichte und Kurzgeschichten waren schnell geschrieben. Mit „Laberaffe“ veröffentlichte er sogar einen Comedy-Roman.

Im Jahr der Buchveröffentlichung beschloss Kai Bosch einen Intensivkurs bei der Kasseler Stottertherapie zu belegen, da seine bisherigen Sprachtrainings bei verschiedenen Ärzten nicht viel gebracht hatten. „Sprache hat mich fasziniert. Ich wollte aber nicht nur schreiben, sondern auch sprechen“, erinnert sich Kai Bosch.

Der nun folgende Intensivkurs bei der Kasseler Stottertherapie markierte für ihn den Wendepunkt. Sein Sprechen verbesserte sich so stark, dass Kai Bosch sein Interesse für Sprache auch auf die Bühne brachte. Als Schauspieler und Poetry-Slammer begann er, vor Publikum mit der Sprache zu spielen. Und das so gut, dass er 2015 Baden-Württembergischer U20-Meister im Poetry Slam wurde.

Ein zweites Buch folgte („Tagträumer“) und bei den diesjährigen deutschsprachigen U-20 Poetry-Slam-Meisterschaften schaffte er es bis ins Halbfinale. Krönender vorläufiger Höhepunkt: Kai Bosch trug am 22.10.2017 zum Weltstottertag bei den Baden-Württembergischen Literaturtagen frei einen einstündigen Auszug aus seinen Büchern vor.

(Quelle: Pressemeldung der Kasseler Stottertherapie anlässlich des Welttages des Stotterns am 22.10.2017)

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