Das „Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung“ ist ein Trainingskonzept, das sich direkt an Eltern wendet, deren zwei- bis dreijährige Kinder eine verzögerte Sprachentwicklung zeigen. Das kann zum Beispiel bei der Vorsorgeuntersuchung U7 festgestellt werden, die durch den Kinderarzt bei Kindern im Alter von 21 bis 24 Monaten durchgeführt wird. Als verzögert sprachentwickelt gelten dabei Kinder, die einen ungefähren aktiven Wortschatz von weniger als 50 Wörtern aufweisen und kaum Zweiwortsätze bilden (wie etwa ‘Mama Kissen’). Statistiken zufolge trifft dieses Kriterium auf ca. 15 bis 20 % der Kinder eines Jahrganges zu.

Entwickelt wurde das ‘Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung’ im Jahr 2003 von der Psychologin Dr. Anke Buschmann. Nach einer vierjährigen Erprobungszeit des Trainingskonzepts im Universitätsklinikum Heidelberg wird das Trainingskonzept seit dem Jahr 2007 länderübergreifend sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz und in Österreich angeboten. Wissenschaftliche Studien des Universitätsklinikums Heidelberg konnten belegen, dass sich bei betroffenen Kindern mithilfe des Elterntrainings deutliche Abnahmen sprachlicher Entwicklungsverzögerungen im Alter von drei Jahren zeigten.

Ziel des Heidelberger Elterntrainings

Das Heidelberger Elterntraining möchte Eltern oder Elternteile zu einer sprachfördernden Kommunikation mit dem Kind anregen. Qualifizierte Trainer vermitteln Ideen, mit denen Kinder auch im Alltag gezielt zum Sprechen animiert werden können. Außerdem werden gemeinsam Situationen entwickelt, in denen eine gezielte Sprachförderung durch die Eltern oder einen Elternteil erfolgen kann. Ganz wichtig: Das alles soll Spaß machen. Mit strikten Lehrplänen wird man Kinder schließlich nur schwer motivieren können.

Trainingsverlauf

Das Elterntraining findet in der Regel in Kleingruppen von ca. 5 bis 10 Teilnehmern statt. Da sich das Programm gezielt an die Bezugspersonen des Kindes richtet, sieht das Trainingskonzept die Anwesenheit der betroffenen Kinder nicht vor. Die wichtigsten Inhalte erhalten die Teilnehmer zudem in schriftlicher Form.

Der Verlauf eines Elterntrainings orientiert sich an verschiedenen Schwerpunktthemen:

  • allgemeine Möglichkeiten zur sprachlichen Förderung eines Kindes
  • Vorstellung von Sprachlehrstrategien
  • Verschiedene kommunikative Situationen zwischen Bezugsperson und Kind sowie Anregungen, wie entsprechende Situationen optimiert werden können (z.B. gemeinsames Betrachten von Bilderbüchern)
  • Analyse des gemeinsamen Spielens und der Bedeutung für den kindlichen Spracherwerb
  • Informationen zu Sprachspielen mit Kindern: Hierbei kann ein Kind z.B. mit Hilfe von Reimen und Rhythmus-Übungen Zugang zur Sprache finden

Methodik

Neben dem Unterricht mit dem Trainer besteht das Heidelberger Elterntraining auch aus der gemeinsamen Erarbeitung der Inhalte mit anderen Eltern. Um Informationen in der Praxis zu veranschaulichen, werden verschiedene Strategien zur Sprachförderung in Kleingruppen trainiert. Entsprechende Übungssequenzen können beispielsweise durch die Teilnehmer gefilmt und im Anschluss besprochen werden. Diese Strategien und neuen Impulse werden von Anfang an auch in den Alltag mit dem Kind zu Hause integriert. Die Erlebnisse und aufkommenden Fragen können dann im Rahmen der nächsten Trainingseinheit besprochen werden, sofern die Eltern das wünschen.

Beispiele

1. Bilderbücher: Beginnen Sie ein Bilderbuch nicht (wie gewohnt) von vorn, sondern lassen Sie das Kind so lange blättern, bis es bei einem bestimmten Bild verweilt. Gehen Sie nun auf das Interesse des Kindes ein und reagieren Sie mit Worten, z. B. ‘Oh, das ist aber ein großes Karussell’. Ziel ist es also, das Kind zur Kommunikation anzuregen. Indem Sie auf seine Signale ansprechen, bemerkt es sein eigenes Kommunikationspotential.

2. Stellen Sie gezielte Fragen: Häufig entsteht in der Kommunikation mit kleinen Kindern die Gewohnheit, Fragen zu formulieren, die in natürlichen Gesprächssituationen normalerweise nicht aufkommen (z. B. ‘Wo ist denn die Katze?’). Diese Fragen wirken gekünstelt und benötigen auch nicht unbedingt verbale Antworten. Stellen Sie lieber offene Fragen, um Erwiderungen anzuregen, etwa: ‘Ui, schau mal! Was passiert denn da auf der Wiese?’.

3. Etablieren Sie Phrasen: Gerade häufig wiederkehrende Handlungen, wie Essen, Anziehen oder Einkaufen, eignen sich dazu, wichtige Worte und Sätze wiederholt zu sprechen. So werden sie dem Kind schnell vertraut. Das sensibilisiert Eltern zudem für die Integration der Methoden ins alltägliche Leben.

Trainingsdauer

Vor Beginn eines Trainings werden zunächst die sprachlichen Fähigkeiten des betroffenen Kindes geprüft. Üblich ist außerdem ein persönliches Vorgespräch mit den Eltern/dem jeweiligen Elternteil.

Eine Sitzung umfasst in der Regel eine Zeitspanne von zwei Stunden. Insgesamt gibt es sieben Sitzungen, die in ein- bis zweiwöchigem Abstand stattfinden. Ein halbes Jahr nach Beendigung des Elterntrainings erfolgt dann eine einmalige Nachschulung von ca. 3 Stunden.

Trainer

Angeboten wird das Heidelberger Elterntraining von verschiedenen zertifizierten Trainern. Je nach Land oder Bundesland wird ein entsprechendes Elterntraining beispielsweise in logopädischen Praxen, in Fachabteilungen spezialisierter Kliniken oder auch in spezialisierten Zentren angeboten.