Stottern ist eine Redeflussstörung, bei der das Sprechen auffallend unterbrochen wird. Sprecher können Äußerungen korrekt planen, aber beim Sprechen kommt es zu Verzögerungen und stockenden Lauten, Silben, Wörtern oder Wortgruppen.
Bei Kleinkindern ist gelegentliches Stottern durchaus normal, weil Denken und Artikulation noch unterschiedlich ausgeprägt sind. Dann spricht man von Entwicklungsstottern.

Welche Symptome hat Stottern?

Aus der Perspektive der Betroffenen ist vor einzelnen Silben oder Lauten ein richtiges Hindernis spürbar, das aber nicht unbedingt nach außen hin bemerkbar sein muss. Verhindert es dann aber den Übergang von einem Laut zum nächsten, treten die charakteristischen Stottermerkmale zutage (Wiederholung von Lauten, Silben oder Wörtern, Blockaden, Dehnungen). Stottern kann situationsabhängig auftreten und von Patient zu Patient variieren. Es kann phasenweise vorhanden sein und dann wieder nicht. Stottern sieht also individuell sehr verschieden aus.

Aus diesen primären Merkmalen entstehen dann häufig weitere Symptome, die Betroffene im Endeffekt oft mehr belasten, als das eigentliche Stottern. Das betrifft das Sprechen (monotone Sprache, Mutismus, auffällig viele Fülllaute und Füllwörter), weitere körperliche Symptome (auffällige Atmung, Mitbewegen von Armen und Beinen beim Sprechen, Verkrampfung des Gesichts) sowie die Psyche (Sprechangst, Vermeiden von Sprechsituationen, Introvertiertheit, sozialer Rückzug).

Welche Ursachen hat Stottern?

Leider sind die Ursachen des Stotterns bis heute nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich gibt es eine genetische Veranlagung. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten auf Störungen bei der Sprechvorbereitung in der linken Gehirnhälfte hin. Die Ursachen sind also organisch.
Stottern ist keine psychische Störung! Doch die Faktoren, die das Stottern auslösen oder aufrechterhalten, können durchaus psychischer Natur sein. Traumatische Erlebnisse, familiäre Konflikte und Probleme mit dem Selbstbewusstsein wirken sich oft negativ auf das Stottern aus.

Wie kann Stottern behandelt werden?

Jeder Stotterer muss seine persönliche Strategie finden, um mit dem Stottern umzugehen. Dabei kann eine Stottertherapie helfen. Hier ist die Alltagstauglichkeit der erlernten Techniken das A und O. Diese sollten auch nach der eigentlichen Behandlung weiter gefestigt werden, daher ist ein einwöchiger Crash-Kurs als Stottertherapie wenig geeignet. Kurzfristige Erfolge müssen auf lange Sicht in das tägliche Leben integriert werden und das braucht Zeit. Vorsicht also bei Programmen, die eine regelrechte Wunderheilung versprechen!

Allgemein gilt: Je früher die Therapie begonnen wird, desto größer sind die Erfolgschancen. Bei erwachsenen Patienten ist meist keine vollständige Heilung mehr möglich, da die Sprechmuster gefestigter sind als bei Kindern.

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen zwei Formen, um Stottern zu behandeln:

Stottermodifikation

Hier werden bestimmte Sprechtechniken gegen Blockaden eingesetzt, sodass das Sprechen mit weniger Anstrengung erfolgen kann und nicht vermieden wird.

Beispiel: Ansatz nach van Riper ›

Fluency Shaping

Hier wird eine flüssige Sprechweise entwickelt, indem das Sprechverhalten als Ganzes stark verändert wird und nach und nach wie normales Sprechen klingt.

Beispiel: Kasseler Stottertherapie

Davon abgesehen tauschen sich Stotterer in Selbsthilfegruppen und Foren aus. So kann jeder von den Erfahrungen anderer profitieren. In Deutschland stottern etwa 800.000 Menschen. Wer selbst davon betroffen ist, muss sich daher nicht allein fühlen.