Lippen-Kiefer-Gaumenspalte: Behandlung in der Logopädie

Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ist eine Fehlbildung, die bereits im Mutterleib im embryonalen Zustand entsteht. Die Spalte entsteht während der Entwicklung des ungeborenen Kindes in Form eines ungenügenden Verschlusses von Teilen des Gesichts, des Kiefers und Gaumens. Nach der Geburt ist dann die Spaltung an Lippe, Oberkiefer, weichem Gaumen, Gaumensegel wie auch Zäpfchen äußerlich erkennbar.

Neben dem kosmetischen Aspekt ist eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auch psychisch sehr belastend für die meisten Kinder und auch Erwachsenen. Außerdem fällt Betroffenen die Nahrungsaufnahme schwer, wie auch das Atmen, das Hören und die Aussprache. Das liegt vor allen Dingen daran, dass Mundraum und Nase beim Menschen komplett offen miteinander verbunden sind. Besonders Kleinkindern und Säuglingen ist es daher bei einer Beeinträchtigung durch die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte nicht mehr möglich, gleichzeitig zu atmen und zu trinken, was zu großen Problemen führt.

Die Spalte kann in unterschiedlich schweren Ausbildungen auftreten. Als die am wenigsten schweren Formen stuft man zum einen die einfache Lippenkerbe, wobei die Oberlippe eine Spaltung aufweist, sowie das gespaltene Gaumenzäpfchen, in der Fachsprache Uvula bifida genannt, ein.

Eine Fehlbildung wie die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ist heute bereits in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft erkennbar. Meist wird das Problem zwischen der 18. und der 20. Schwangerschaftswoche festgestellt, was Eltern eine gute Vorbereitung auf das Handicap des Kindes ermöglicht. In den meisten Fällen wird die Spalte im Laufe der Schwangerschaft immer wieder beobachtet, wodurch bei Geburt des Kindes sofort erste auf das Ausmaß zugeschnittene Therapiemaßnahmen getroffen werden können.

Ursachen der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Die Ursachen einer Fehlbildung wie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sind bis heute leider noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass es sich um eine Art genetischen Defekt handeln könnte. Diese Annahme wird dadurch begründet, dass Fälle von Spaltungen sehr oft vermehrt innerhalb von Familien auftreten. Gibt es bereits Betroffene im familiären Umfeld, so steigt die Wahrscheinlichkeit, ein ebenfalls erkranktes Kind zu bekommen, stark an.

Ebenfalls als mögliche Ursachen werden außerdem äußere Faktoren. Zu ihnen zählen neben einem Mangel an Sauerstoff im frühen Stadium der Schwangerschaft auch Zigaretten- und Alkoholkonsum der Mutter.

Des Weiteren wird davon ausgegangen, dass eine unzureichende Versorgung der Mutter mit Vitaminen oder eventuell auch eine übermäßige Versorgung mit den Vitaminen A und E bei der Fehlbildung eine Mitschuld tragen könnten.

Logopädische Behandlungsmethoden

Es gibt heute gute Möglichkeiten, eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zu therapieren. Die Logopädie setzt häufig dann ein, wenn operativ alles unternommen wurde, um die Fehlbildung zu schließen. Diese chirurgischen Eingriffe erfolgen bereits kurze Zeit nach der Geburt des betroffenen Kindes.

Meist beginnt man bei einem Säugling im Alter von drei bis sechs Monaten mit der ersten Operation, der in den meisten Fälle viele weitere Folgen, um in kleinen Schritten vorrangig das kosmetische Problem zu beheben. Durch diese Eingriffe ist die Psyche der Kinder oft stark angegriffen; hier sollte auch unterstützend psychologisch eingegriffen werden, um die Therapie ohne Probleme voranzutreiben.

Im Bereich der Logopädie wird gern die sogenannte myofunktionelle Therapie eingesetzt, um die Gesichtsmuskulatur wieder vollständig aufzubauen und in Balance zu bringen. Außerdem wird auf diese Weise die Zungenmuskulatur wie auch die Muskulatur an Gaumen, Schlund und Kehlkopf gestärkt, um die klassischen Sprachprobleme, das Näseln und die Schluckschwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Da betroffene Kinder durch ihre Beeinträchtigung erst spät mit dem Spracherwerb beginnen, werden im Rahmen einer logopädischen Therapie auch Wortschatz, Grammatik und Sprachverständnis trainiert.

Damit die Kinder nicht völlig in ihrer sprachlichen Entwicklung hinter Altersgenossen zurückbleiben, sollte mit einer derartigen Therapie natürlich so früh wie nur möglich begonnen werden. Allerdings ist jeder Fall individuell zu behandeln, weshalb beratende Gespräche zwischen Eltern und dem behandelnden Logopäden unumgänglich sind.

Die Prognosen für einen positiven Heilungsverlauf sind heute sehr gut. Daher sollte man sich auch nicht von der oft langen und auf unbestimmte Zeit angesetzten logopädischen Therapie abschrecken lassen, da diese letztlich sehr gute Ergebnisse erzielt.

Autor
jan

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