Eine Sprechweise, bei der ein Sprecher die geplanten Wörter und Sätze gar nicht oder nur stockend und verzögert äußern kann, nennt man Stottern. Bei vielen Kleinkindern kann gelegentliches Stottern durchaus normal sein, weil Denken und Artikulation noch differieren.
Wenn Kinder, Jugendliche oder Erwachsene regelmäßig und in relevantem Ausmaß stottern, handelt es um eine Sprachstörung. Dabei wird der Sprachfluss wiederholt unterbrochen, weil der Sprechvorgang nicht oder wenig koordiniert abläuft, so dass Atmung, Stimme und Lautbildung nicht harmonisch zusammenwirken. Beim Stottern besteht eine Verkrampfung derjenigen Muskeln, die am Akt des Sprechens beteiligt sind.
Ursachen des Stotterns
Stottern ist eine der Sprachstörungen, für die es körperliche und psychische Ursachen geben kann. Zu den konkreten Ursachen, deren genaue Umstände und Folgen bisher nicht ausreichend bekannt sind, zählt man u.a.:
- Schädigungen des Sprachzentrums im Gehirn, z.B. im frühkindlichen Alter
- genetische Faktoren
- körperliche Konstitution
- emotionale Belastungen
- schwere, traumatisierende Erlebnisse
- familiäre Konfliktlagen
- Störungen des Selbstbewusstseins
Therapien und Behandlungsmöglichkeiten in der Logopädie
Basis einer angemessenen Therapie durch den Logopäden ist eine logopädische Befunderhebung. Der Umfang, die Formen und die Symptome des Stotterns werden festgestellt, um daraus eine individuelle Therapie zu entwickeln. Anknüpfungspunkte können in dem Verhalten des Kindes oder des Patienten gefunden werden, das Stottern aktiv mit logopädischen Ansätzen zu bekämpfen oder Vermeidungsstrategien einzusetzen. Diese Gegenwehr ist so unterschiedlich wie das Stottern selbst, weshalb auch die Therapie des Stotterns in der Logopädie nur einzelfallbezogen sinnvoll sein kann.
Es gibt vielfältige Ansätze, Stottern zu behandeln. Meistens werden Kombinationen aus logopädischen und psychotherapeutischen Methoden angewandt. Die Logopädie versucht, Stottern vor allem durch folgende Maßnahmen zu therapieren:
- Verbesserung des Ablaufs der Artikulation
- Technisches Training von Sprechen
- Veränderungen der Atemtechnik
- Lockerungsübungen mit Sprachmaterial
Typische psychotherapeutische Verfahren sind:
- Feststellen und Bewusstmachen von ungelösten Problemen oder Konflikten
- Optimierungen im gesamten Kommunikationsverhalten
- Stärkung von Persönlichkeit und Selbstvertrauen
- Gesprächstherapie bezüglich der gesamten Lebens- und Verhaltensweise
- Überwindung von spezifischen, individuellen Sprechängsten bzw. -anlässen
In der therapeutischen Diskussion, auch innerhalb der Logopädie, wird häufig beklagt, dass es keine wissenschaftlich gesicherte Therapie für das Stottern gibt und dass viele Therapeuten auf sich allein gestellt sind, wenn sie den Betroffenen helfen wollen.
Therapiziele und Behandlungsstrategie
Es scheint sich in den letzten Jahren herauszukristallisieren, dass insbesondere die aus den USA stammende Stottertherapie nach dem Wissenschaftler Van Riper nicht nur effektiv, sondern auch relativ leicht umzusetzen ist. Es ist eine Therapie, die zunächst widersprüchlich vorgeht und nicht direkt das Ziel verfolgt, den Betroffenen vom Stottern zu befreien. Der erste Schritt besteht hier vielmehr darin, das Stottern zunächst zu akzeptieren und lediglich seine krassen und massiv störenden Elemente und Begleiterscheinungen abzumildern.
Damit lernt der Patient faktisch, das Stottern zu beherrschen, ohne es zu überwinden. Er bekommt vom Logopäden eine praktische und technisch detaillierte Anleitung, wie das Stottern funktioniert und was er daran zusammen mit dem Logopäden ändern kann. Zusätzlich wird der Patient angeregt, sich in der gesamten, langfristig angelegten Therapie vor allem auf sein eigenes Mitwirken, seine Eigenaktivitäten außerhalb der logopädischen Behandlung, im Alltag, zu konzentrieren.
Die direkte Behandlung selbst beinhaltet nur vier bis fünf therapeutische Einheiten, die folgende Stufen umgreift:
- genaue Feststellung der individuellen Sprachstörung in Form des Stotterns durch Patient und Therapeut
- psychologisches Training zu einem ruhigen und gelassenen Umgang mit dem Stottern
- Sprach- und Sprechübungen in bestimmten Situationen des Alltags und in der Logopädiepraxis
- Ausschleifen der gravierendsten Formen des Stotterns, ohne das Ziel einer totalen Überwindung zu setzen
- Fragen und Antworten zur Prüfung oder Umstellung der Lebensweise, so dass die Faktoren gestärkt werden, die das Stottern abschwächen oder sogar verschwinden lassen.
Da bei dieser Therapie sowohl alle oben genannten logopädischen als auch die psychotherapeutischen Maßnahmen eingesetzt werden können, sichert sie in jeder Hinsicht die Anwendung der bisher gängigen Methoden. Durch die Besonderheit einer Betonung des Stotterns im Alltag, des Trainings in den normalen Lebenssituationen, bezieht sich dieses Konzept in erster Linie auf die Realität außerhalb der Behandlungsräume des Logopäden und erreicht dadurch besonders gute Ergebnisse.
Therapiedauer
Diese Konzeption ist langfristig angelegt, denn sie integriert Bedingungen bzw. Änderungen der Lebensumstände des Betroffenen. Die logopädischen Lerneinheiten sollten innerhalb der ersten sechs Monate stattfinden, der gesamte Prozess der Reduzierung und letztlich doch angestrebten völligen Überwindung des Stotterns dauert bis zu zwei Jahren.
Sonstiges Aspekte zur logopädischen Behandlung des Stotterns
Die lange Geschichte der Stotter-Therapien betrifft nicht nur Logopäden, sondern auch Atemlehrer, Stimmpädagogen, Sprachheilpädagogen und andere Therapeuten. Insgesamt waren und sind auch Psychologen und Psychotherapeuten oft in die Therapie eingebunden oder haben eigene Modelle und Konzepte erprobt. Insgesamt dürfte für eine tragfähige Therapiekonzeption die interdisziplinäre Vorgehensweise eine der wichtigsten Grundlagen bilden. Um den besonderen Anforderungen und Herausforderungen des Themas gerecht zu werden, müssen nicht nur weitere Hilfsmittel, Trainingsformen und Analyse- bzw. Befundmethoden entwickelt und eingesetzt werden. Es geht auch darum, die Therapien so eng wie möglich mit den Lebensverhältnissen und -abläufen des jeweiligen Patienten zu verknüpfen.




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Mein Sohn, 20 J alt, hat rezidivierende Mittelohrentzündungen (Mucotympanon) und stottert etwas seit der Kindheit. Gibt es einen Zusammenhangb zwischen Erkrankung des Ohrs und dem Stottern ? Was kann man machen ?
Danke für die Hilfe
Horand Meier